| Poet und Rebell Horst Buldt zählt zum künstlerischen Urgestein in Esens Atelier und Studio an der Butterstraße |
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| Karg möbliert, schlecht beheizt, vielleicht eine Staffelei in der Mitte des Raums und verstreut liegende Farbtuben auf einem Tisch in Kniehöhe so ungemütlich präsentiert sich manches Atelier eines Malerfürsten. Halt mich ja nicht von der Arbeit ab, lautet die unausgesprochene Botschaft an den Besucher. | ![]() |
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| Geh, bevor du dir eine Erkältung holst oder dir die Beine in den Bauch stehst. Radikal anders, hundertfach freundlicher, wirkt das Atelier von Horst Buldt. Es liegt nicht nur ganz zentral und für jeden Kunstfreund gut erreichbar im Herzen von Esens, es ist auch hell, warm und gemütlich. Ein runder Tisch und zwei Stühle laden zum Verweilen ein. Eine Aufforderung, der so mancher Besucher gerne nachkommt. Nach Ostfriesensitte werden ihm dann mindestens drei Tassen Tee serviert. Eine kurzweilige Plauderei mit dem Hausherrn inbegriffen. Über neue künstlerische Projekte, über seine lebendige und wechselvolle Vergangenheit, über weltanschauliche Fragen und vieles mehr tauscht sich Horst Buldt gerne aus, ohne ins Monologisieren zu verfallen. Er hört zu, erfährt, wie seine Gäste leben, woher sie kommen, welche Kunst sie lieben. Lebendige Dialoge entstehen auf diese Weise, fruchtbare Gespräche, die jeden beschwingt zurücklassen. Den Künstler und den Kunstfreund. „Du, ich habe eben auf der Straße Leute gesehen, die trugen zwar kein Bild unter dem Arm, aber ich glaube, die kamen von dir. Die guckten so glücklich.“ So etwas in dieser Art erzählt mir meine Frau manchmal, wenn sie vom Einkaufen kommt“, wundert sich Horst Buldt über die Wirkung, die er auf Menschen ausübt. Sein Einfühlungsvermögen ist möglicherweise der Schlüssel zum Herzen anderer, seine Bereitschaft und die Gabe, sich fremde Situationen und Gefühle vorzustellen und bis zu einem gewissen Grad geistig nachzuerleben. Diese Eigenschaft ist eine wesentliche Voraussetzung für sein Selbstverständnis und sein Wirken als Künstler. Was wäre wenn? Wie fühlt ein Kind? Solche und ähnliche Fragen leiten manchen kreativen Prozess ein. So war die Nachricht von einer Explosionskatastrophe, bei der im vergangenen Jahr viele Menschen verletzt oder getötet wurden, für ihn Anlass, eine Skulptur zu gestalten: Dunkelgrau schimmernde Figuren, die aus einem zylindrischen Behältnis geschleudert wurden und nun, in bizarren Krümmungen erstarrt, an der Außenwand hängen. Collagen dieser Art bilden jedoch die Ausnahme im künstlerischen Schaffen von Horst Buldt. In erster Linie arbeitet der 54-Jährige mit Acryl- oder Aquarellfarben. Landschaften, vor allen Dingen die heimische, sind ein bevorzugtes Sujet, aber auch nach eigenwilligen Gesichtspunkten arrangierte Kompositionen wie die jüngste, die einen Platz in der St.-Magnus-Kirche in Esens gefunden hat. Es handelt sich um ein ganz unkonventionelles, spirituelles Bild mit einem raffinierten visuellen Effekt. Das auf die Leinwand gemalte, von Buchstaben überlagerte Kreuz scheint sich auf den Betrachter zuzubewegen. Hell-Dunkel-Kontraste, plastische Wirkungen was auch immer dieser optischen Täuschung zugrunde liegen mag, die Ausstrahlung des Werkes ist verblüffend. So verblüffend, dass die Kirchengemeinde sich zum Ankauf des Bildes entschloss und es im Gotteshaus aufhängte, wo es gemeinsam mit Opferkerzen eine Andachtsecke bildet. Die weißen, schnörkellos geformten Buchstaben geben das „Vater unser“ wieder. Meditation, Ruhe, innere Einkehr. Nicht immer gelangt der im holsteinischen Sterup geborene Wahlostfriese selbst in diesen Zustand. Manchmal wird er von Rastlosigkeit getrieben, von der zwanghaften Suche nach neuen Themen, neuen Motiven, neuen Ausdrucksmöglichkeiten. Ergebnis der jüngsten „Entdeckungsphase“ sind Acrylbilder von ganz intensiver Farbigkeit. Die durch schwarze Vertikal- und Horizontallinien unterteilte Fläche weckt Erinnerungen an Bleifenster und verleiht der gesamten, aus landschaftlichen Versatzstücken zusammengestellten Kompositionen ihren transparenten Charakter. Horst Buldt sei gleichermaßen Poet und Rebell, befand ein Rezensent vor einigen Jahren anlässlich einer Ausstellungseröffnung. Ein Besuch in seinem Atelier und ein Überblick über mehr als zwei Jahrzehnte produktiven Schaffens bestätigen diese Einschätzung. -bos- |
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